Nepper, Schlepper und Wegelagerer

Man liest  immer wieder von den Piraten der Straße. Die Straßenpiraterie, überwiegend in den südeuropäischen Ländern, hat in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen. Dabei werden die Täter immer trickreicher aber auch brutaler. Immer geht es um die Wertsachen oder das Wohnmobil. Als ich in den letzten Monaten durch die sozialen Netzwerke stöberte, da fiel mir sofort eine Schilderung auf, die ein Ehepaar mit einem geliehenen Wohnmobil in Italien erlebt hatte. Gelesen hatte ich so etwas ja schon öfter, aber ich hätte niemals gedacht, dass später auch mir genau so etwas widerfahren würde.
In einem dieser Netzwerke schildert ein Ehepaar ihr Erlebnis, das sich im Herbst 2018 zugetragen hatte:
Wir befuhren die mautfreie Autobahn von Livorno nach Florenz. Es war sonntags und wenig Verkehr. Als wir einen langsamer fahrenden weißen Audi A3 TDI auf der linken Überholspur überholten, hörten wir plötzlich ein Geräusch, das wir überhaupt nicht zuordnen konnten.
Kurz darauf überholte uns dieser weiße Audi A3 und gestikuliert wild mit Hinweis auf seinen Seitenspiegel, dass wir anhalten sollten. Da wir nicht wussten was es mit dem Geräusch auf sich hatte, hielten wir in der nächsten Parkbucht um nach einem eventuellen Schaden zu sehen. Der im ersten Moment seriös wirkende junge Mann im Audi A3 verließ sofort sein Fahrzeug und zeigte uns seinen defekten Außenspiegel. Danach lief er sofort hinter unsere Beifahrertüre und zeigte uns „Abriebspuren“ die seinen Spiegel beschädigt hätten. Als wir die Polizei verständigen wollten, da machte der Fahrer Druck – er hätte keine Zeit und müsse weiter – und forderte auf einem Zettel 300 Euro. Als wir schließlich nicht nachgaben und das Kennzeichen notieren und das Fahrzeug fotografieren wollten, riss der Audi Fahrer den Heckdeckel auf und raste davon. Am nächsten Tag sind wir zur örtlichen Polizei. Die wollten uns nicht anhören, wollten auch nicht an ihrem PC das Kennzeichen eingeben und verwiesen uns auf unsere Versicherung.

Es gibt diesen Täter offenbar immer noch !

Fast genau das Gleiche ist uns nach Abfahrt von der Fähre in Livorno auf der Autobahnfahrt nach Florenz auch passiert.

Foto zum vergrößern anklicken

Auch wir befuhren sonntags die Autobahn von Livorno nach Florenz. Der Sonntag scheint offenbar der bevorzugte Einsatztag dieses Ganoven zu sein, da der fehlende LKW Verkehr vermutlich vorteilhaft für seine Gaunereien ist.
Solche freien Autobahnabschnitte fahre ich immer gerne mit Tempomat und auch meine Dashcam auf dem Armaturenbrett war eingeschaltet. Da fiel mir sofort ein weißer Audi A3 (siehe Foto) auf der mich erste überholte und sich dann vor mich setzte. Dieses Spielchen machte ich insofern mit, dass ich den Tempomat ausschaltete und wieder mit großen Sicherheitsabstand zurück blieb. Als dies gar nicht mehr möglich war da der Audi A3 immer langsamer wurde, setzte ich den Blinker und überholte mit deutlichem Abstand. Auf gleicher Höhe ein Geräusch, von dem ich mir sicher war, dass dies nicht von meinem Fahrzeug kam. In den Rückspiegeln sah ich das überholte Fahrzeug weit zurück, wild mit der Lichthupe blinkend und mit eingeschalteter Warnblinkanlage schnell näher kommend. Der Audi überholte mich, setzte sich wieder vor mein Fahrzeug und gestikulierte wild fuchtelnd auf seinen Spiegel zeigend.
Da ich sicher war, dass ich dieses Fahrzeug nicht einmal ansatzweise berührt hatte, verringerte ich nicht mein Tempo und setzte die Fahrt fort.
Dieser Neppversuch (so schätze ich dies mal ein) ging über fast 10 Kilometer und dauerte nach Dashcam Aufzeichnung 9 Minuten. Unvorstellbar.
Nochmals Glück gehabt, nicht angehalten und glücklicherweise auch die Dashcam aktiviert.
Ein weiterer aktueller Fall:
Eine Leserin teilt mir soeben ihre negativen Erfahrungen auf der italienischen Landstraße zwischen Florenz und Bologna mit.
Am besten lest selbst ….. Link

Aber es gibt noch drastischere Vorfälle

Reifenstecher

Auf einem Campingplatz in der Nähe von Barcelona erzählte uns ein Ehepaar mit Wohnmobil von ihrem Missgeschick.
An einer Autobahnraststelle hat den beiden offenbar – völlig unbemerkt – jemand den rechten Hinterreifen beschädigt. Schon kurze Zeit später mussten sie wegen der Reifenpanne anhalten. Ein freundlicher und hilfsbereiter Autofahrer war auch gleich zur Stelle. Später bemerkte man, dass die Handtasche der Ehefrau mitsamt Inhalt Ersatzschlüssel, EC Karte, Dokumente und Geld fehlte.
Sollten Anrufversuche beim ADAC Auslandsnotruf fehlschlagen weil das Handy plötzlich kein Netz mehr bekommt, dann kann es lt. ADAC durchaus sein, dass die Kriminellen Störsender in ihren Fahrzeugen installiert haben, die das Telefonnetz unterbrechen und eine Mobilfunkverbindung unmöglich machen. In so einer Situation sollten Autofahrer ihr Fahrzeug abschließen, sich einige Meter entfernen und von dort den ADAC Auslandsnotruf kontaktieren.
Der ADAC rät an Raststätten und Tankstellen besonders vorsichtig sein. Dort halten Gauner oft gezielt nach Urlaubern Ausschau, um diese auszurauben. So ereignete sich auch im letzten Jahr ein Vorfall auf der österreichischen Tauern-Autobahn, bei dem ein Ehepaar mit dem Reifen-Trick reingelegt und bestohlen wurde. Auch hier beschädigten die Täter unbemerkt den hinteren Reifen der ahnungslosen Urlauber, folgten diesen unauffällig bis es zu einer Reifenpanne kam und raubten in der Verwirrung auch hier die Handtasche mit wertvollem Inhalt.

Pannentrickser – ablenken und ausrauben

Oft werden aber Pannen und Beschädigungen am Fahrzeug nur vorgetäuscht. Entweder man wird während der Fahrt wild gestikulierend aufgefordert möglichst schnell anzuhalten oder auf einem Parkplatz einfach mal schnell aufgefordert mit nach hinten zu kommen, da das Fahrzeug eine Beschädigung hätte. Die Folgen sind immer die gleichen. Fahrer und Beifahrer werden abgelenkt und alle Wertsachen oder sogar das komplette Fahrzeug (weil vielleicht dummerweise noch der Schlüssel steckte) fehlt komplett.
Tipp: Geld, Portemonnaie und andere Wertsachen auch während der Fahrt nicht einfach herum liegenlassen, sondern lieber in einen Packsafe (Pacsafe) und diesen fest anschließen.
Nie alles auf eine Karte setzen und die Wertsachen (Geld, zweite Kreditkarte oder Ersatzschlüssel etc.) im Mobil verteilen.
Nicht anhalten und mit dem Handy winken, so als ob sie die Polizei rufen.
Fahrzeugschlüssel (auch nur kurz) immer abziehen und am Körper aufbewahren.
Fahrzeug stets absperren und Handy griffbereit halten.

Einbruch und Fahrzeugdiebstahl

Am beliebtesten ist auch in ganz Südeuropa die klassische Einbruchsmethode: Seitenscheibe einschlagen, Wertsachen klauen, weglaufen. Nicht nur Urlauber sondern auch Einheimische können ein Lied von diesen Straßenräubern singen, die immer dann besonders gerne zuschlagen, wenn es sichtbar im Wagen etwas zu holen gibt.
Deshalb grundsätzlich nichts, aber auch rein gar nichts im Fahrzeug sichtbar liegenlassen. Egal ob altes Navi, Tablet, Jacke oder Hose können für so manchen Gelegenheitsdieb ein Motiv sein, schnell mal die Scheibe einzuschlagen.
Oft ist dann der Schaden am Fahrzeug um ein Vielfaches höher als das gestohlene Diebesgut. Zudem kommen die Probleme, dass unter Umständen eine sofortige Weiterfahrt nicht mehr möglich ist.

Foto: Scheibe einschlagen, in Südeuropa immer noch die beliebteste Einbruchsart

Türen sichern, aber wie ?

Die serienmäßig verbauten Türschlösser bieten in der Regel nur wenig Schutz vor Einbruch und Diebstahl. Für Gewohnheitsdiebe ist es eine Sache von Sekunden die werksseitig verbauten Türschlösser zu überwinden.
Besonders nachts – wenn man im Wohnmobil schläft – ist es notwendig die Türen und Fenster so zu sichern, dass zumindest niemand lautlos und leise ins Innere eindringen kann.
Egal ob man sich für eine Kette zwischen den Vordertüren, Alarmanlage, ABUS-Zusatzschlösser oder eine andere zusätzliche Türsicherung entscheidet, man sollte unbedingt darauf achten, dass ein vermeintlicher Einbrecher diese Zusatzsicherungen sofort deutlich erkennen kann.
Eine nicht erkennbar Türsicherung schreckt zum einen nicht ab und verursacht zum anderen nur viel Schaden.

Foto: Türschloß stechen, auch wenn der Dieb so nicht zum Ziel kommt, der Schaden bleibt

Erkennt ein Dieb eine Kette zwischen den Türen oder andere Zusatzschlösser, dann wird dieser zumindest die Türen in Ruhe lassen und nach einer anderen Schwachstelle oder gar einem anderen Fahrzeug suchen.
Vordertüren werden häufig mittels „durchstechen“ (Foto) geöffnet. Mit einem spitzen Gegenstand wird unterhalb des Türgriff eingestochen und die Schlossverriegelung entriegelt. Dies lässt sich zwar mit einen Durchstichschutz – einem sogenannten prick stop – verhindern, da der Dieb aber das in der Türe eingebaute Blech nicht erkennen kann, hat man den nicht unerheblichen Schaden an der Türe trotzdem. Und ein Hinweisaufkleber auf diesen prick stop hält in der Praxis keinen Dieb davon ab es nicht doch zu versuchen.

Foto: Abgedrehtes und rausgezogenes Zündschloß

Der Worst Case – der komplette Fahrzeugdiebstahl

In den sozialen Netzwerken liest man es in den Urlaubszeiten fast wöchentlich. Irgendeinem Urlauberpaar wird während ihres Urlaubs das komplette Reisemobil gestohlen. Worst Case und Albtraum zugleich.
Ich kenne gleich zwei Wohnmobilfahrer in meinem Bekanntenkreis, denen dies passiert ist.
Der eine Fall ist 15 Jahre her. Ein routinierter und erfahrener Camper der zusammen mit seiner Frau mit dem Wohnmobil Mittelitalien bereiste. Rom sollte die letztes Station der Reise sein. Entsprechend vorsichtig die beiden stets waren, besuchten sie ausschließlich Campingplätze. Am letzten Tag checkten die beiden aus dem Campingplatz aus um auf dem gleich gegenüberliegenden Supermarkt noch Lebensmittel für die Tour nach Hause einzukaufen. Der Einkauf dauerte keine halbe Stunde. Beim verlassen des Supermarktes sahen die beiden noch ihr Wohnmobil vom Parkplatz fahren, das war das letzte was sie von ihrem Wohnmobil gesehen haben.
Jetzt standen sie auf dem Parkplatz mit 2 Plastiktragetaschen und GsD ihrem Portemonnaie. Bekleidet mit kurzen Hosen und Flip-Flops und so ging es mit der Bahn nach Hause.
Der andere Fall ereignete sich vor etwa 5 Jahren in Südfrankreich. Ein erfahrener Busfahrer mittleren Alters der zusammen mit seiner Freundin unterwegs war. Die beiden verbrachten einen schönen Badeurlaub, über besondere Sicherungsmaßnahmen machte sich der Wohnmobileigner damals noch keine Gedanken. Am letzten Tag wollten die beiden nochmals für ein oder zwei Stunden schnell an den Strand. Das Fahrzeug parkte oben auf einer einsamen Landstraße, während die beiden die steile Küste runter zum Strand gingen. Auf Grund der abgelegenen Lage dachte niemand an schlimmes. Nach dem Besuch im Meer war das Wohnmobil weg. Nach Hause ging es mit dem was man auf dem Leib hatte. Leider hatte er nicht so viel Glück wie im ersten geschilderten Fall. Im Gegensatz zum ersten Fall tauchte das Wohnmobil – kaum zu Hause angekommen – nach zwei Wochen wieder auf. Versicherungstechnisch bedeutet das für ihn, dass er das Wohnmobil holen und den Schaden (auf Versicherungskosten) instandsetzen kann. Das Wohnmobil war in einem schlechten und teils verwüsteten Zustand, viel brauchbares wurde entwendet.

Foto: Ein anderes gestohlenes und komplett ausgeschlachtetes Wohnmobil

Tipp: Auch wenn die Versicherung bei einem Totalverlust zahlt, sollte man sich rechtzeitig Gedanken über Sicherungsmaßnahmen zur Verhinderung eines Fahrzeugdiebstahl machen. Nicht immer wird ein Fahrzeug nur vor der Haustüre geklaut.
Über Zusatzsicherungen sollte man nachdenken:
Alarmanlage auch mit Innenraumüberwachung
zusätzliche Schalthebel-/Gangsperre
verdeckten Schalter für die Unterbrechung der Strom- oder Kraftstoffversorgung
OBD Stecker sichern

 

Auch diese Seiten sollten Sie lesen:
ADAC Tipps für unterwegs – Link
Bayerische Polizei: Sicher unterwegs im Wohnmobil – Link
Sicherheit und Tipps fürs Wohnmobil – Link

9 Kommentare zu „Nepper, Schlepper und Wegelagerer“

  1. Hallo Wolfgang, Sachen gibt’s ? Das mit dem AUDI A3 ist ja dreist, aber anscheinend muss sich das ja lohnen. Ja, bei Wohnmobilen finde ich die Türe auch ziemlich „unsicher“. Wir mieten ja nur ab und zu eines, aber würde mir eines gehören, würde ich da auch so einiges an Sicherheit einbauen. In Italien waren wir noch nicht mit dem Wohnmobil, nur in Frankreich und da habe ich überhaupt so was nicht erlebt. Da stehen ja viele sogar nur so in Parkbuchten oder auf Parkplätzen und keinen schert das. Ob es da auch „Strassen-WoMo-Räuber“ gibt? In drei Wochen sind uns keine begegnet – Gott sei Dank!.
    Liebe Grüße, Sigrid

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo Sigrid, ja dieser Audi Fahrer ist ganz schön dreist und lohnen tut sich das für den offenbar allemal. Da dies anscheinend die Polizei nur wenig oder gar nicht interessiert, wird das wohl noch andauern. Frankreichs Norden ist relativ sicher. Im Süden im Großraum um Lyon oder Marseille ist dagegen höchste Vorsicht geboten. Gerechnet an der Vielzahl der Wohnmobile muss es einen ja GsD nicht gleich erwischen. Vielen Dank für deinen Kommentar und liebe Grüße, bleibt gesund. Wolfgang

      Gefällt 1 Person

  2. Danke, für den Bericht! Ähnliches ist uns in der Toskana (zwischen Volterra und San Gimignano) heute im PKW passiert. Es machte einmal kräftig „bumm“ und Kilometer später stoppte uns ein junger Mann mit Lichthuppe. Angeblich sei sein Autospiegel defekt. Vorne war bei uns ein kleiner Steinschlag zu sehen und hinten eine Gummispur. Die ließ sich später spurlos wegwischen. Silberner Alfa Romeo: DD-625AB

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Jutta, schön dass der Bericht für euch hilfreich war. So wie ich es in letzter Zeit in den sozialen Medien lese, nehmen diese Nepper jetzt wieder deutlich zu. Fast jede Woche wird irgendwo ein ähnlicher Fall geschildert. Ich hoffe, dass die Angelegenheit für euch gut ausgegangen ist. Am besten immer die Polizei rufen, denn diese Zeitgenossen scheuen jeden Kontakt zur Polizei. Nur für diesen Zweck fahre ich mit dashcam. Liebe Grüße und vielen Dank für deine Schilderung. Wolfgang

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