AdBlue – erste Erfahrungen

AdBlue® ist ein Harnstoff-Wasser-Gemisch, das besonders bei größeren Fahrzeugen notwendig wurde um die 2015 in Kraft getretenen strengen Abgasgrenzwerte für die Euro-6-Norm zu erreichen. Dieses Gemisch wird mittels eines Ventils direkt in den Abgasstrang gespritzt und löst eine chemische Reaktion aus, bei der speziell Stickoxide reduziert werden. Statt wie bei der bislang gültigen Euro-5-Norm soll der Stickoxidanteil bei der Euro-6-Norm dann von maximal 180 Milligramm pro Kilometer auf höchstens 80 Milligramm sinken. AdBlue® ist ein zusätzlicher Betriebsstoff (kein Tankzusatz) für Dieselfahrzeuge, der regelmäßig nachgefüllt werden muss. Dafür ist in jedem Fahrzeug ein separater Tankbehälter eingebaut. Die Menge des Adblue Verbrauches hängt – wie beim Dieselverbrauch auch – von verschiedenen Faktoren ab. Je nach Fahrweise und Geschwindigkeit beziffert z. B. Volkswagen den Durchschnittsverbrauch von Adblue für einen Pkw (!) mit bis zu 2,5 Liter auf 1000 km, was einen nicht gerade unerheblichen Kostenfaktor darstellen dürfte. Auch die Betankung selbst ist nicht bei allen Automobilherstellern gleich unproblematisch, deshalb wird bei so manch einem Modell  der eine oder andere Fahrer einen zusätzlichen Werkstattaufenthalt mit einplanen müssen. Die für Nutzfahrzeuge bereits heute flächendeckenden AdBlue®-Zapfsäulen sollten mit dem Pkw nicht angesteuert werden. Diese Zapfsäulen haben deutlich höhere Durchflussraten und sind daher bis auf einige Ausnahmen für Pkw nicht geeignet.
Bei  minus 11°  gefriert Adblue. Damit auch ein Winterbetrieb möglich ist, wird der Vorratsbehälter während des Fahrzeugbetriebes beheizt und die Leitungen nach abschalten der Zündung entleert. Problematisch wird es, wenn in einer strengen Kältephase das Fahrzeug mehrere Tage steht und der Vorratsbehälter für das Harnstoff-Wasser-Gemisch durchgefroren oder die Tankbeheizung auf Grund eines Defektes komplett ausfällt. Anspringen wird der Motor trotzdem, was bleibt ist vermutlich eine Fehlermeldung mittels gelber Kontrollleuchte und ein voraussichtlich nur noch mit verminderter Leistung laufender Motor. So passiert einem Bekannten mit seinem Volkswagen Sharan Baujahr 2011. Defekt der Tankbeheizung und auf Grund der vorherrschenden Kälte ein einfrieren des Tank für das Zusatzmittel. Fraglich bleibt auch ob der Behälter das komplette vereisen des Tankinhaltes unbeschadet überstehen kann.

Zusatztank für AdBlue

Zusatztank für AdBlue

defekte Tankheizung

defekte Tankheizung

Da kann durchaus entscheidend sein ob sich der Tank hinter der eiskalten Radhausschale im Vorderkotflügel oder in einem wärmeren Bereich – zum Beispiel der Reserveradwanne im Kofferraum – befindet. Für Wenigfahrer scheint Adblue ohnehin nicht ideal zu sein. So nennt der Hersteller von AdBlue® nur eine Haltbarkeit  von einem Jahr und weist gleichzeitig darauf hin das Gemisch nicht kälter als -11° oder wärmer als 30° zu lagern. Bei einer Lagerung über 30° ist mit  Qualitätseinbußen zu rechnen. Die Reichweite der Adblue Tankfüllung ist je nach Behältergröße sehr unterschiedlich. Ursprünglich hatten die Hersteller geplant, dass jede Adbluefüllung von Servicetermin zu Servicetermin reicht, das würde bedeuten, dass bei jedem Kundendienst in der Werkstatt auch gleichzeitig Adblue ergänzt wird und der Autofahrer mit dem doch lästigen Prozedere nicht behelligt wird. Das ging auch solange gut bis irgend jemand feststellte, das ein Autohersteller  mittels raffinierter Software zu Lasten der Umwelt und Gesundheit manipulierte. Die Software erkannte sofort wenn ein Fahrzeug auf dem Prüfstand war, spritzte dann mit Dosierventil deutlich mehr Adblue in den Abgasstrang und verbesserte so momentan die Abgaswerte. Im normalen Fahrbetrieb reduzierte man die Adblueeinspritzung, die Schadstoffwerte stiegen an und natürlich war dadurch auch die Reichweite mit dem Zusatzgemisch merklich höher. Damit ist aber zwischenzeitlich Schluss, denn bekanntlich ist der Abgasbetrug aufgeflogen.
Jetzt kann es schon mal sein, dass ein Neuwagen mit weniger als 7000 km nach einer Tanknachfüllung schreit. Auch die Anzeige selbst ist wenig beruhigend. Zwar kommt der erste Hinweis zum Nachtanken wenn noch gut 2000 km Reichweite im Display angezeigt werden, aber die Anzeige kann sprunghaft nach unten fallen so dass es auch deutlich weniger Kilometer sein können. Unter 1000 km Reichweitenanzeige kann diese plötzlich auf Null fallen. Ein Neustart wäre dann nicht mehr möglich.

Hinweis AdBlue nachtanken

Hinweis AdBlue nachtanken

Umweltschutz ist sicher ein hohes Gut für das wir alle gerne einstehen, natürlich auch bei Fahrzeugen. Aber langsam drängt sich die Frage auf ob unsere Politiker nicht den eigentlichen Fokus völlig aus den Augen verloren haben:
Vor wenigen Wochen berichtete die ARD (Link) ausführlich darüber, dass Schiffe die größten Dreckschleudern sind. Abgasreinigungsanlagen hätten nur einzelne, wenige Schiffe. Alle anderen blasen Ihren Russ und Feinstaub völlig ungefiltert in die Luft. Gesetzliche Vorschriften zur Luftreinhaltung wie wir dies von Personenkraftwagen, Lastkraftwagen oder auch von unserer Heizung im Haus kennen, gibt es bei Schiffen überhaupt nicht. Auch keine Schadstoffobergrenze. Auch die englische Zeitung The Guardian berichtete schon vor Jahren, dass die 15 (!) größten Schiffe genau so viel Abgase in die Luft blasen wie zusammen alle (!) Pkw´s weltweit.
Ein weiteres Negativbeispiel sind die alljährlichen Feuerwerke zum neuen Jahr:
Rund 4000 Tonnen Feinstaub setzte das Silvesterfeuerwerk 2017 (Link) nach Schätzungen des Umweltbundesamtes frei, das entspricht 15 Prozent der Menge, die Autos und Lkw im ganzen Jahr erzeugen.

Fazit:
Trotz großem Umweltbewußtsein bin ich froh zumindest bei meinem Wohnmobil noch einen herkömmlichen Diesel ohne AdBlue Reinigung fahren zu dürfen. Aus den voran gegangenen Beispielen resultierend habe ich auch kein schlechtes Gewissen nur ein Fahrzeug mit Euro-5-Norm zu fahren. Bei meinem Pkw kann ich mich zur Not auch mit dem Zusatzbetriebstoff Adblue anfreunden wobei ich nicht glaube, dass dies der letzte Stand in der Dieseltechnologie bleiben wird. Die Attraktivität einen Diesel zu fahren hat – zumindest beim Pkw – seit Beginn der VW-Abgasaffäre für mich deutlich abgenommen.

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4 Gedanken zu „AdBlue – erste Erfahrungen

    1. Labby Autor

      Hallo Sonja und Albert. Mit dem Begriff AdBlue können nur wenige was anfangen oder besser gesagt nur diejenigen die ihre eigenen (nicht immer positiven) Erfahrungen schon gemacht haben. Da aber nicht alle Fahrzeuge gleich sind und sich in nächster Zeit doch noch so einiges ändern wird (z.B. auch die Größe des Vorratsbehälter und deren Beheizung) ist es mal ganz gut wenn man schon ein bischen mehr weis 😉

      Antwort
  1. 🔆Sigrid🔆aktiv60plus🔆

    Obwohl ich keine Ahnung von dieser „Technik“ habe, las ich deinen Artikel mit Interesse. AdBlue – das klingt interessant. Unserer hat auch eine Zusatzbezeichnung mit „blue“ – Blue Efficiency 🙂 Aber unser Benziner hat nur EURONORM 4 und solange wir den nicht abschaffen müssen, weil er keiner Norm mehr entspricht, behalten wir ihn.
    Dass diese ganzen Kreuzfahrtschiffe die reinsten Dreckschleudern sind, wusste ich bereits. Darüber habe ich mal einen Bericht gesehen. Ob das alle diese begeisterten Kreuzschiff-Reisenden wissen – und ob es sie überhaupt interessiert. Dieser ganze Dreck ist ein Problem und ärgert viele der Länder, in die die Schiffe fahren (Norwegen, Hurtigroute), aber die Anwohner nichts davon haben außer dem Feinstaub und anderen „Hinterlassenschaften“.
    Dass den Autofahrern immer neue Regeln aufgebrummt werden ist zwar nachvollziehbar, aber dann bitte auch alle anderen Verursacher „abstrafen“. Liebe Grüße! Sigrid

    Antwort

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